Anpassung des Lebenswandels

Die Anpassung des Lebenswandels und die Schulung von Arthrosepatienten wird in allen Leitlinien zur nicht-operativen Arthrosetherapie der internationalen und nationalen Fachgesellschaften als „Kern“ der Behandlung empfohlen.- Jedoch nur selten von den Patienten umgesetzt.

So hat die EULAR (European League Against Rheumatism) in einer Untersuchung festgestellt, dass lediglich 7% der Patienten versuchen Ihren Lebenswandel anzupassen / umzustellen.

Die Anpassung des Lebenswandels kann dabei unter anderem folgende Faktoren betreffen:

 


 

Nach Abklingen der akuten Schmerzsymptomatik durch die gezielte orthopädische –unfallchirurgische Behandlung sollte der Arthrosepatient nach versuchen seine körperliche Aktivität moderat zu steigern um den Körperstoffwechsel zu aktivieren. Parallel hierzu sollte ggf. unter zu Hilfenahme qualifizierter Hilfe die Ernährung so umgestellt werden, dass eine zielgerichtete Gewichtreduktion möglich ist. Es hat sich gezeigt, dass sich eine sehr hohe Korrelation zwischen Übergewicht und Arthrose besteht, so besteht bei Zunahme des Körpergewichtes von 5 kg ein um 35% erhöhtes Arthroserisiko. Felson et al. (1992) konnten bei einer Reduktion des BMI (Body-Mass-Index) um 2 Punkte bei Frauen eine Reduktion des Arthroserisikos von bis zu 50% beobachten. Natürlich ist eine Optimierung des Körpergewichtes nicht von einen auf den anderen Tag zu erreichen und der gut gemeinte ärztliche Rat zur Steigerung der Körperbewegung bzw. der tgl. Aktivität kann für manche Patienten mit bewegungsinduzierten Schmerzen einhergehen, so dass ggf. eine begleitende medikamentöser Therapie erfolgen sollte – denn nichts ist frustrierender, als wenn die empfohlenen Maßnahmen mit einer, wenn auch nur vorübergehenden Beschwerdezunahme verbunden sind.

Physiotherapie

Die Physiotherapie hat einen sehr hohen Stellenwert im Arthrosemanagement. Ziel ist es hierbei die gelenkstabilisierende Muskulatur zu kräftigen, die Beweglichkeit des Gelenkes zu verbessern und die sogenannte Propriozeption als die „Feinregulierung“ der Muskelaktivität zu verbessern.

Unter qualifizierter Anleitung einer Physiotherapeutin / eines Physiotherapeuten gilt es arthrose-gerechte Übungen zu erlernen und auszuführen. Ziel ist es dabei stets gelenkschonend zu arbeiten und den gelenkspezifischen Bewegungsablauf zu optimieren. Arthrosepatienten sollen dabei auch angeleitet werden, bestimmte Übungen zu Hause in Eigenregie durchzuführen.

Die Indikation und das Rezept für die Physiotherapie bei Arthrose wird von einem Orthopäden/ Unfallchirurgen nach exakter Diagnosestellung und bei gegebener Notwendigkeit ausgestellt und mit den weiteren Therapiemaßnahmen abgestimmt. In einem Arthrosezentren ist es möglich, daß sich Physiotherapeuten, Orthopädietechniker und behandelnde Ärzte im Hinblick auf eine optimierte Behandlung des jeweiligen Patienten abstimmen. Informationen zu Arthrosezentren in Ihrer Nähe finden Sie hier.

Chondroprotektiva (knorpelschützende Substanzen)

Knorpelschützende Substanzen (Chondroprotektiva), auch als SYstemic Slow Acting Drugs for OsteoArthritis (SYSADOA) bekannt, umfassen neben der intra-artikulär applizierten Hyaluronsäure, die bekannten Nahrungsergänzungsmitteln Chondroitin und Glucosamin, sowie neuere Substanzen, wie zum Beispiel das Kollagenhydrolysat. Im Falle der Nahrungsergänzungsmittel wird der therapeutische Nutzen von Glucosaminen und Chondroitinen nach wie vor kontrovers diskutiert.

Ein weiterer Wirkstoff in dieser Substanzgruppe ist das Kollagenhydrolysat. Dieses unterstützt und stimuliert die Biosynthese des Knorpelgrundgerüstes (Kollagen II) und der Proteoglycane. Studien zeigen auch Einsparmöglichkeiten für nichtsteriodale Antirheumatika. Der Effekt bedingt jedoch eine längere Einnahmedauer. Kollagenhydrolysate sind in den vergangenen Jahren als weitere Option zur Behandlung von Arthrosebeschwerden zum Teil mit ermutigenden Studienergebnissen, propagiert worden, jedoch müssen hier weitere, prospektive, randomisierte, placebokontrollierte Studien die Wirksamkeit durchgeführt werden um eine abschließende Beurteilung zu ermöglichen.

Sportherapie

Als Ergänzung der Physiotherapie ist die Sporttherapie in einem Artrosemanagementkonzept ideal geeignet langfristig die Kräftigung und Bewegung der Arthrosegelenke voranzutreiben. Speziell ausgebildete Sporttherapeuten leiten betroffene Patienten zu geeigneten Kräftigungsübungen an, so daß hierbei eine Stabilisierung der Gelenke, eine Reduktion etwaigen Übergewichts und eine verbesserte Motivation zur Bewegung erreicht wird. Ideal ist auch die Sporttherapie in Gruppen, wie es als Beispiel beim Tübinger Hüftkonzept der sportmedizinischen Abteilung der Universität Tübingen gelebt wird. Neben der Abteilung für Sportmedizin der Universität Tübingen kooperiert die DGFAM e.V. auch mit dem Trainingsinstitut von Prof. Dr. Klaus Baum in Köln. Ziel der Sporttherapie ist es die Patienten langfristig „arthrosegerecht“ zu traininieren.

Medikamente

Zur symptomatischen medikamentösen Therapie stehen verschiedene Substanzklassen zur Verfügung. Wir empfehlen zur passageren Akutschmerztherapie den Einsatz von nicht steroidalen Antiphlogistika (NSAR), die neben der analgetischen Komponente auch ein antiphlogistische Wirkkomponente aufweisen sollten, um eine, die Arthrose begleitende Synovitis günstig beeinflussen zu können. Eine weitere Möglichkeit zur symptomatischen Schmerztherapie ist eine intraartikuläre Injektion (siehe Abbildung 1) von Kortikoiden, die im Idealfall zu einer Beschwerdereduktion über 2-6 Wochen führen kann. Natürlich gilt es, gleich welche medikamentöse Therapie eingeleitet wird, entsprechende Kontraindikationen/ mögliche Begleitreaktionen zu beachten. Sollte eine dauerhafte medikamentöse Therapie notwendig sein, so kann es durchaus sinnvoll sein Analgetika der WHO Stufe II (siehe Abbildung 1) einzusetzen.

Seite 1 von 2